WC3: Zdravko 'Insomnia' Georgiev im Gespräch Insomnia: "Meine Eltern verdienten zusammen halb so viel wie ich"
fragster: Zdravko, das neue Jahr ist noch jung. Was sind Deine privaten Ziele für 2010? Insomnia: Zdravko 'Insomnia' Georgiev: Ja, da hast Du recht. Wir befinden uns am Anfang des neuen Jahres und ich habe mir selber hohe Ziele gesetzt. Zunächst ist dieses mein letztes Jahr an der Universität und ich möchte meinen Bachelor machen. Abgesehen davon nähert sich mein Projekt, an dem ich nun schon etwas mehr als ein Jahr arbeite, endlich seiner Fertigstellung und sollte in einigen Monaten durch sein, weshalb ich mich auch darauf konzentrieren werde. Was meine persönlichen Ziele angeht: Ich möchte versuchen, mich dazu zu bekommen, mehr Sport zu treiben. Ich gehe momentan zweimal in der Woche ins Fitnessstudio, möchte diese Zahl aber mindestens auf drei erhöhen. Außerdem möchte ich eine weitere Sportart ausüben, wahrscheinlich Schwimmen – sicher bin ich mir aber noch nicht. Ich wäre auch sehr gerne Snowboard fahren gegangen, aber in diesem Winter war der Schnee bisher wirklich spärlich.Alter: 26 Jahre Heimatland: Bulgarien Beruf: Student WC3-Rasse: Human Bei SK: 2002 bis 2007 Bist Du so ein Sportfreak oder warst Du in den letzten Jahren einfach zu faul? Insomnia: Hehe. Ich würde mich nicht als Sportfreak bezeichnen. Dennoch war ich immer körperlich aktiv. Ich habe Fußball, Taekwondo, Schwimmen und Wing Chun abgearbeitet. Alle diese Sportarten habe ich mindestens ein Jahr lang regelmäßig betrieben. Ich fühle mich so einfach besser. Du hast aber recht: Manchmal bin ich faul. Hat Dich der eSport – als Du noch Warcraft 3 gespielt hast – daran gehindert, alle diese Sportarten, die Du gerne machst, auszuüben? Insomnia: Gewiss hat er das. Trotzdem betrachte ich ihn gerne als einen Sport, also war er einfach eine weitere Sportart für mich. Gleichzeitig war es die einzige, in der ich Profi werden konnte, deshalb hat der eSport einen besonderen Platz in meinem Herzen. Hört sich an, als würdest Du den eSport immer noch lieben. Warum also hast Du im Jahr 2007 aufgehört? Insomnia: Ich habe einfach gefühlt, dass meine Zeit gekommen war. Du musst bedenken, dass ich vor meinen fünf aktiven Jahren als WC3-Spieler auch vier Jahre Starcraft gespielt habe. In diesen Jahren habe ich nicht mit weniger Leidenschaft gespielt. Ich kann nicht behaupten, ich sei ein Starcraft-Progamer gewesen, aus dem einfachen Grund, dass ich dafür kein monatliches Gehalt bekommen habe. Auch für Starcraft habe ich Turniere auf der ganzen Welt besucht. Im Jahr 2007 hatte ich nur noch ziemlich wenig Motivation und es fühlte sich einfach so an, als sei ein Rücktritt das Richtige. Es war Zeit für mich, mich in meinem Leben auf andere Dinge zu konzentrieren. Und ja, Du hast wieder recht. Ich liebe den eSport immer noch und ich verfolge die Szene genau. Also weißt Du, wer die WCG 2009 gewonnen hat? Insomnia: Natürlich weiß ich das. Ich freue mich für Infi. Ich wusste immer, dass er großes Potenzial hat und schließlich hat er es in dem bedeutendsten Turnier bewiesen. Es war ein solcher Nervenkitzel für mich, die Finals live per Webstream zu schauen. Ich war verblüfft, wie viele Leute in dieser Halle waren – das müssen zehntausend oder mehr gewesen sein. Der eSport wächst weiter. Findest Du, dass der eSport wächst und dabei Warcraft 3 fallen lässt? Zumindest in Europa ist die Entwicklung der WC3-Szene nicht wirklich toll. Insomnia: Das ist die Ruhe vor dem Sturm, glaub' mir. So entwickeln sich die Dinge nunmal. Warte und schau, was passieren wird, wenn Starcraft 2 erscheint. (lacht) Also zählst Du schon die Monate, die WC3 verbleiben? Wieso siehst Du kein Potenzial im "neuen" WC3-Markt China? Insomnia: Ich sage nicht, dass Warcraft 3 und seine Community mit dem Erscheinen von Starcraft 2 verschwinden. Viele Leute, die WC3 aktuell spielen, werden damit weiter machen, gerade in China. Trotzdem glaube ich, dass wir mit Starcraft 2 den großen Knall des eSports in Europa sehen werden. Zurück zu Deiner Geschichte: Welcher war der größte Moment in Deiner Karriere? Insomnia: Das ist einfach: der Moment, in dem ich die ersten World Cyber Games, die es für Warcraft gab, gewann. Ich werde das niemals vergessen. Das war ein wirklich wichtiger Moment in meinem Leben. Ist der eSport der einzige Weg für junge Leute, solche Erfahrungen zu machen, oder ist er gar nicht so einzigartig, wie wir immer denken? Insomnia: Natürlich ist der eSport nicht der einzige Weg, solche Erfahrungen zu machen. Trotzdem ist es ein sehr zugänglicher. Du brauchst nicht viel, um in den eSport einzusteigen. Das einzige was Du brauchst, sind ein Computer und eine Internetverbindung – dann bist Du bereit, mit dem Training anzufangen. Was den eSport so einzigartig macht ist, dass Du all Dein Training und Deine Vorbereitungen komfortabel zu Hause erledigen kannst. Du musst nicht ins Stadion und Dich mit anderen Leuten treffen, um zu trainieren, deren Zahl obendrein sehr limitiert wäre. Der eSport kombiniert mit dem Internet bietet eine globale Arena, in der jeder mitspielen kann. Das ist seine wahre Magie. "Der eSport kombiniert mit dem Internet bietet eine globale Arena, in der jeder mitspielen kann. Das ist seine wahre Magie." (Insomnia) Vermisst Du seit Deinem Rücktritt etwas? Insomnia: Ich vermisse viele Dinge. Ich vermisse das ständige Reisen. Ich vermisse den Nervenkitzel der Turniere. Ich vermisse die Gespräche mit so vielen Menschen aus so vielen Ländern. Ich kann nur hoffen, dass ich eines Tages all das wieder tun kann. Was hindert Dich denn daran, wieder in den eSport einzusteigen? Zum Beispiel mit Starcraft 2. Insomnia: Starcraft 2 wird toll sein, das ist sicher. Es ist sehr wahrscheinlich, dass es mich in den eSport zurückziehen könnte. Wer weiß? Die Zeit wird es zeigen. (lacht) Wie wichtig war für Dich – als Teil von SK Gaming – der finanzielle Aspekt des eSports? Insomnia: Ziemlich wichtig. Er war damals meine einzige Einnahmequelle – nur davon habe ich gelebt. Ich muss hinzufügen: Es war ein Leben auf ziemlich hohem Niveau. Natürlich kann ich nicht exakt sagen, wie hoch meine Einnahmen waren. Aber zum Vergleich: Meine Eltern verdienten zusammen weniger als die Hälfte meines monatlichen Gehalts. Das waren andere Zeiten. Heute gibt es fast niemanden in Europa, der von WC3-Spielen leben kann. Insomnia: Hehe, dann glaube ich, dass ich den besten Moment ausgewählt habe, inaktiv zu gehen. Spaß beiseite. Es ist bedauerlich, das zu hören, aber wie ich schon sagte: Die Dinge werden sich im Bezug auf die Gehälter von Progamern dramatisch ändern, wenn Starcraft 2 erscheint. Zdravko 'Insomnia' Georgievs wichtigste Erfolge: 1. Platz World Cyber Games 2003 1. Platz WC3L Saison I 1. Platz WC3L Saison II 2. Platz WC3L Saison III 3. Platz WC3L Saison VII 3. Platz WC3L Saison IX 1. Platz WC3L Saison XII 2. Platz NGL ONE Saison 2006 1. Platz Arbalet Tournament 2003 2. Platz Blizzard Regional Finals 4 Europa 4. Platz ESWC 2005 1. Platz Fuergamer 1on1 2006 1. Platz GameGune 2007 Lass uns über die Trophy of Legends sprechen: Hat es Dir Spaß gemacht, wieder Warcraft zu spielen oder war das Preisgeld einfach nur so attraktiv? Insomnia: Ich habe das überhaupt nicht für das Preisgeld gemacht. Ich liebe es, herausgefordert zu werden und gegen all diese Spieler des alten Schlags anzutreten, mit denen mich eine so lange Geschichte verbindet. Es war einfach eine Herausforderung, der ich nicht widerstehen konnte. Du hast mit 0:3 gegen Sweet verloren. Warum warst Du gegen ihn so chancenlos? Insomnia: Um ehrlich zu sein habe ich mich auf mein Spiel gegen Sweet nicht vorbereitet. Es war direkt nach den Weihnachtsferien und das letzte Spiel der Gruppenphase war fast zwei Monate her. Ich möchte Sweet keinesfalls etwas absprechen. Er hat meinen Respekt dafür, gut genug gespielt zu haben, um mich zu besiegen. Wie hat sich Tak3r, der in Deiner Gruppe war, Deiner Meinung nach geschlagen? Insomnia: Besser als ich erwartet hatte. Meinen ersten Mapverlust in dem Turnier hatte ich ihm zu verdanken. Seine fiesen Taktiken waren immer schwer zu kontern. Es war ein knappes Spiel. Hast Du Warcraft 3 schon wieder deinstalliert? Insomnia: Nein. Ich schaue hin und wieder gerne Replays. (lacht) Zdravko, ich bedanke mich für das Gespräch. Die letzten Worte gehören Dir. Insomnia: Vielen Dank für das Interview, es ist immer ein Vergnügen. Ich möchte allen Menschen, die in meine eSport-Bemühungen verwickelt waren, ungeachtet ihrer Rolle etwas zurufen. Spieler, Fans, Turnierorganisatoren, Sponsoren, Team-Manager und Journalisten. Freunde oder Feinde. Ich danke Euch allen.
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